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FrolleinDoktor

Lektüre ohne Risiken, aber mit Nebenwirkungen. Rezeptfrei in Ihrem Internet. Immer wieder zu durchstöbern. Machense sich doch schon mal frei.

Dezember 2018

 

09. Dezember 2018 |

Schöne Kochbücher

Ich habe ja eine Schwäche für gute Kochbücher – schließlich habe ich selbst auch schon eines publiziert – und beobachte mit Interesse, was sich da bei den Verlagen so tut. Es genügt längst nicht mehr, einfach ein paar gute Rezeptideen aufzuschreiben und abzufotografieren. Und ich staune immer wieder, was sich Autor*innen einfallen lassen, um das Rad neu zu erfinden. Hier sind die in meinen Augen schönsten Kochbücher der vergangenen Jahre. 

 

Das Wintertagebuch 

Er ist einer meiner absoluten Lieblings-Kochbuchautoren, weil er ebensogut schreibt wie kocht: Nigel Slater. Seine Kochbücher sind nicht nur eine Anregung für die Sinne, sondern auch für den Geist. Dieses ist sein jüngstes Werk. Und eines seiner schönsten. Schon der Einband ist ein Hingucker: graues Leinen mit kupferfarbenen Längsstreifen wie die Silhouetten von Baumstämmen. Zu entdecken gibt es nicht nur Rezepte, sondern ebenso Notizen und Geschichten für die kalten Monate. Nigel Slater besucht die Weihnachtsmärkte in Dresden, Köln, Nürnberg und Wien – und hat sich damit natürlich die besonders schönen herausgepickt. Seine Rezepte sind mal ganz einfach und leicht nachzukochen, mal höchst raffiniert und anspruchsvoll in der Zubereitung – für jede(n) etwas. Mit diesem "Wintertagebuch" verzieht man sich am besten für den Rest des Tages oder Abends mit einem Punsch oder einem guten Tee aufs Sofa. Hat man einmal mit dem Schmökern angefangen, kommt man kaum wieder davon los.

Nigel Slater: Das Wintertagebuch. Dumont Verlag, 480 Seiten, 110 farbige Abbildungen, Hardvocer, 38 Euro

 

Downtime. Soulfood der Extraklasse

Nadine Levy Redzepi, die Frau des bekannten NOMA-Küchenchefs René Redzepi, ist selbst eine exzellente Köchin. Die Küche ist das Wohnzimmer der Familie, die drei Töchter wachsen damit auf, dass ihre Eltern ständig irgendetwas brutzeln und helfen tatkräftig mit. Nadine Levy Redzepi zeigt, wie man mit simplen, marktfrischen Zutaten aus regionalem Anbau ebenso raffinierte wie einfache Gerichte für jeden Tag zaubern kann. Es braucht nur ein bisschen Mut, Lust und die Bereitschaft, sich darauf einzulassen zu kochen. Jedes Rezept hat ein besonderes Etwas, meist ist es ein Gewürz oder die Kombination der Zutaten. Dieses Buch ist eines der schönsten und anregendsten Kochbücher, die ich kenne. Ach ja, und René Redzepi zieht im Frühjahr 2019 mit einem eigenen Kochbuch, das im Kunstmann Verlag erscheinen wird, nach. Da geht's dann vor allem um das derzeit in Mode kommende Fermentieren. Mal schauen, ob er das Buch seiner Frau wirklich noch toppen kann ...  

Nadine Levy Redzepi: Downtime. Soufood der Extraklasse. Knesebeck Verlag, 304 Seiten 150 farbige Abbildungen, 35 Euro

 

Seelenfutter vegetarisch und One Pot-Soulfood

Die Seele über den Magen zu streicheln, hat offenbar Konjunktur. Schon seit längerem gibt es die "Seelenfutter"-Kochbücher meiner Kollegin Sabine Schlimm, jetzt wurde die Reihe für die vegetarische Küche fortgesetzt und auch für die beliebten One-Pot-Gerichte. Und tatsächlich sind es alles Rezepte, die auf eine bestimmte Art und Weise besondere Wärme vermitteln, ganz egal, ob aus Topf, Blech oder Pfanne. Man fühlt sich wohlig umsorgt von "Rahmfleckerl mit Kürbis und Lauch" oder "Krautfleckerl" oder "Schupfnudeln mit Apfel-Sauerkraut". Und ebenso - diesmal nicht vegetarisch –  von "gemüsigen blauen Zipfel", "tomatiger Fischsuppe mit Glasnudeln", "Jambalaya mit Jackfruit" oder "Grießbrei mit Banane und Walnüssen". Mit diesen beiden Kochbüchern ist die kalte Jahreszeit bestens zu überstehen. 

Susanne Bodensteiner und Sabine Schlimm: Seelenfutter vegetarisch. Grüne Rezepte, die glücklich machen. Verlag Gräfe und Unzer, 192 Seiten, gebunden 19,99 Euro, E-Book 15,99 Euro. One Pot Soulfood. 80 Seelenwärmer-Rezepte für Topf, Blech oder Pfanne. Gräfe und Unzer Verlag, 192 Seiten, gebunden 19,99 Euro, E-Book 15,99 Euro

 

Sautanz. Rezepte aus einer Zeit, als Fleisch noch etwas Besonderes war. 

Es war für mich ein Zufallsfund auf der diesjährigen Buchmesse, und bei Durchblättern fiel ich von einer Begeisterung in die andere. Endlich mal ein Kochbuch, das Rezepte hat für wirklich ALLES am Tier. Denn wenn schon ein Tier sein Leben für uns lassen muss, dann sollten wir auch wertschätzend alles von ihm essen, was es hergibt, und nicht immer nur das Filet, das Gulasch, die Koteletts, das Rumpsteak, die Roulade oder den Schinken. Schon der Titel steht für diese Philosophie: Er zeigt einen in Bier gesottenen Schweinerüssel auf weißem Teller. Genial! Der Titel "Sautanz" nimmt Bezug auf die Schlachtfeste, die es früher vor allem im Herbst auf den Bauernhöfen gab, bei denen alles verwertet wurde, was das Schwein eben so hergab. Und so finden sich in diesem Buch zahllose Leckereien, bei denen viele erstmal "igitt!!!" sagen, aber beim Probieren dann aber erkennen werden, wie lecker ein gebackener Schweinelungenstrudel schmeckt, oder Milzschnitten oder Grammelpogatscherl oder Blunzsuppe oder geröstetes Blut ... Hat hier eben noch jemand "Igitt...!!!" gesagt? Banausen! Ich liebe dieses Kochbuch! 

Max Stiegl und Tobias Müller: Sautanz. Rezepte aus einer Zeit, als Fleisch noch etwas Besonderes war. Servus Verlag, 256 Seiten, 25 Euro

 

Flache Kuchen. Tartes, Pies, Bechkuchen & mehr
Blaue Stunde. Rezepte, die den Abend feiern

Der Brandstätter Verlag in Wien ist bekannt für seine kreativen und perfekt aufgemachten Kochbücher. Diese beiden hier gehören auf jeden Fall dazu. Die "flachen Kuchen" sind schnell gemachte köstliche Rezepte für jede Küche. Man braucht lediglich ein Blech und eine Springform und einen Backofen. Denn diese Kuchen gelingen garantiert – ob süß oder salzig, ob mit Obst oder Gemüse, gerührt oder geknetet. Und für die ganz Eiligen gibt es "no bake cakes" aus dem Kühlschrank. Garantiert flach. Garantiert köstlich. 

Die "heure bleue" ist diese magische Stunde, wenn die Dämmerung einsetzt und der Himmel langsam dunkel wird. Diese "blaue Stunde" ist überall auf der Welt der Zeitpunkt, wo man sich nach getaner Arbeit trifft, um zu essen und zu trinken. Das Buch folgt diesem Brauch rund um die Welt – vom fernen Osten bis in den wilden Westen. Und jedes Land hat dafür seine eigenen Rituale und Rezepte. Eine Entdeckungsreise vom Feinsten! 

Ilse König, Inge Prader, Clara Monti: Alle lieben flache Kuchen. Brandstätter Verlag, 208 Seiten, Hardcover 29 Euro, E-Book 23,99 Euro

Stevan Paul, Daniela Haug, Meike Graf: Blaue Stunde. Rezepte, die den Abend feiern. Tapas, Antipasti, Mezze, Ceviche & Apéro. Brandstätter Verlag, 240 Seiten, 200 Abbildungen, Hardcover 35 Euro, E-Book 28,99 Euro 

 

Kaukasis – eine kulinarische Reise durch Georgien und Aserbeidschan

Auf die Idee muss man erstmal kommen: ein ganzes Buch schreiben über die Küche im Kaukasus, dieser Brücke zwischen Europa und Asien. Neben Georgien und Aserbeidschan berührt dieser Gebirgszug auch die Türkei, Armenien, den Iran und Russland. Dieses Kochbuch birgt deshalb eine Überraschung nach der anderen – vom Adschapsandali (einer Art Ratatouille) über den pikanten Pfirsichsalat mit Estragon bis zu fermentierten grünen Tomaten. Alles, was hierzulande unbekannt ist, wird ausführlich erklärt. Viele interessante Informationen zu den verschiedenen Ländern runden das Ganze ab. Die über 100 Rezepte sind eine echte Fundgrube für alle, die mal etwas ganz Außergewöhnliches suchen. Und sie zeigen, dass man unter einfachsten Bedingungen die schönsten Leckereien kochen kann. Dafür, dass die Rezept auch wirklich gelingen, steht die Erfahrung der Autorin: Sie arbeitete u.a. als Chef de Partie bei Ottolenghi... 

Olia Hercules: Kaukasis. Knesebeck Verlag, 240 Seiten mit 200 farbigen Abbildungen, Hardcover, 30 Euro

 

Polska – die neue polnische Küche 

Zur polnischen Küche fallen den meisten nur drei Begriffe ein: fett, mächtig, viel Fleisch. Dass das ein blödes Vorurteil ist, zeigt Zuza Zak in diesem Buch. Allein die zahllosen Varianten der Piroggen sind grandios. ganz abgesehen von den Nachspeisen. Ich sage nur: "Hefekrapfen mit Rosenblütenkonfitüre"! Oder "Saftiger Zimt-Szarlotka mit Baiserhaube". Oder die "sommerliche Wildkirschsuppe" mit Zimt und Sauerrahm. Oder die "süße Kürbissuppe mit Zacierki-Klößchen". Da gibt's nur eines: Schnellstens alles mal ausprobieren! 

Zuza Zak: Polska. Die neue polnische Küche. Knesebeck-Verlag, 256 Seiten mit 200 farbigen Abbildungen, Hardcover, 29,95 Euro 

 

Brühe. Powerfood für Genuss, Gesundheit und Wohlbefinden 

Als geborene Schwäbin bin ich damit aufgewachsen, dass es jeden Tag zum Mittagessen eine Suppe gab. Bis heute liebe ich diese Tradition. Und inzwischen haben Suppen in allen nur denkbaren Variationen ihren Platz gefunden. Restaurants, die sich darauf spezialisiert haben, sprießen in allen größeren Städten wie Pilze aus dem Boden. Jetzt also auch ein Buch nur über Brühen – von den Grundrezepten der klassischen Rinderbrühe über Hühner- und Krustentierbrühe bis zu Gemüsebrühen aus Schalen und Abschnitten. Und natürlich vielen, vielen konkreten Suppen- und Eintopfrezepten aus allen Ländern der Welt. Für Suppen-Fans ist dieses Buch ein Muss. 

Vicki Edgson und Heather Thomas: Brühe. Thorbecke Verlag, 176 Seiten, zahlreiche Fotos, Hardcover, 17,99 Euro

 

Nordische Lebenskunst

Der Verlag Freies Geistesleben ist bekannt für seine sehr speziellen Kochbücher zu ausgewählten Themenbereichen. Inzwischen haben diverse Verlage gerade die nordische Küche entdeckt – dieses Buch enthält nur vegetarische und vegane Rezepte. Nix Fisch, nix Fleisch. Nur eine einzige Ausnahme: Die "grünen Lammhackbällchen mit Minze und Cranberries". Warum die Autorin, die Norwegerin Camilla Jensen, hier von ihrem Grundsatz abgewichen ist, erfährt man nicht. Es ist aber auch egal, denn die phantasievollen Pesto-Variationen und ungeahnt raffinierte Süßspeisen ("Purpur-Eiscreme mit Rosmarin"!) und Lassis sowie viele kreative Rezepte mit Früchten, Salaten und Gemüse sprechen für sich. Und natürlich die opulente optische Ausstattung. 

Camilla Jensen: Nordische Lebenskunst. Verlag Freies Geistesleben, 232 Seiten mit zahlreichen Abbildungen, 24,90 Euro

 

Laekker. Die skandinavische Küche des verrückten Dänen

Ein bisschen schräge, ein bisschen verrückt ist er schon, der Brian Bojsen. Er ist nicht nur Koch und Wirt eines Restaurants in Hamburgs Edel-Quartier Pöseldorf, in dem es jedoch alles andere als schnöselig zugeht. Er ist auch Profi-Surfer, Fotograf, Barkeeper, Vater und ein Abenteurer, der auf allen Weltmeeren zuhause ist. Bei diesem Buch ist der Titel Programm: Es schmeckt einfach alles. Und alles hat irgendwas Abgefahrenes – ob es die Zubereitungsart ist oder ein spezielles Gewürz oder das Topping. Schräge eben. Und auf bestimmte Weise hyggelig. Wie die Dänen eben so sind. Hummer bereitet Brian deshalb am liebsten direkt am Strand zu. Frisch gefangen. Und auf offenem Feuer. Laekker! 

Brian Bojsen: Laekker. Zabert Sandmann Verlag, 192 Seiten, Hardcover 24,99 Euro

 

 

 

November 2018

 

29. November 2018 |

Lektüre für kurze Tage und lange Nächte

Die Adventszeit und die Tage "zwischen den Jahren" sind wie dafür geschaffen, sich stundenlag im Bett, auf dem Sofa, im Sessel oder sonstwo zu lümmeln, ein gutes oder (ent)spannendes oder erheiterndes oder unterhaltsames (Zutreffendes bitte auswählen) Buch zu lesen. Ob haptisch oder elektronisch bleibt jede/r/m selbst überlassen. Ich pflege beides – mal so, mal so. 

Hier ist die ultimative Auswahl für jeden Geschmack. Versteht sich von selbst, dass das auch Geschenkempfehlungen sind – nicht nur zur Weihnachtszeit. Der nächste Geburtstag kommt bestimmt. Und Ostern ist auch nicht mehr so weit ... 

 

Carmen Korn: Töchter einer neuen Zeit | Zeiten des Aufbruchs | Zeitenwende 

Ich wusste schon, warum ich mit dieser Besprechung wartete, bis auch der letzte Band der Trilogie erschienen war: Wenn man erst einmal anfängt, möchte man nicht ein Jahr warten, bis es weitergeht. Und so habe ich alle drei Bände hintereinander weg verschlungen. Die wechselvollen Lebenswege der vier Freundinnen Henny, Käthe, Ida und Lina sind eng miteinander verflochten, und die Autorin schafft es, uns nicht nur vier völlig verschiedene Menschen in ihren Stärken und Schwächen zu schildern, sondern diese privaten Schicksale auch zu einem Sitten- und Gesellschaftsgemälde des 20. Jahrhunderts zu verweben. Carmen Korn bringt uns diese vier Frauen, dass sie uns selbst zu Freundinnen werden. Und eingesessene HamburgerInnen werden viele Ecken auf der Uhlenhorst und im Grindelviertel wiedererkennen, wo die vier zuhause sind. 

In Band 3 ("Zeitenwende") zieht es sich allerdings manchmal ein bisschen sehr, und vieles erscheint nicht so ganz glaubwürdig, z. B. die Flucht der beiden Männer aus der DDR oder das Auftauchen des italienischen Vaters von Käthes Mann Rudi, der dann zu allem Überfluss auch noch höchst vermögend ist. Auch sind alle Liebschaften immer stabil und von Dauer, die Kinder allesamt wohlgeraten. Und wo es mal richtig brenzlig wird, setzen die Betroffenen ihrem Leben mit eigener Hand ein Ende (Dr. Kurt Landmann, Hennys zweiter Mann Ernst, Linas Lebensgefährtin Louise). 

Dennoch: Diese drei Wälzer sind eine wunderbar süffige Lektüre. Band 1 und 2 sind bereits als Taschenbuch erhältlich und deshalb preiswerter als Band 3. 

Rowohlt Verlag, Reinbek, Taschenbuch (Band 1 und 2) jeweils 10,99 Euro; Hardcover (Band 3) 19,95 Euro. 

 

Brigitte Riebe: Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus

Roman-Trilogien sind offenbar en vogue – diese hier hat ebenfalls das Zeug zum Bestseller. Hier geht es um die drei Schwestern Rike, Silvie und Florentine in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Sie sind Töchter einer Kaufhaus-Dynastie und wollen das Familienunternehmen jetzt neu aufbauen. Aber natürlich sind sie im Berlin der 1950er Jahre mit vielem konfrontiert, was ihren Plänen entgegensteht. Und natürlich lastet auf dem Haus auch ein dunkles Geheimnis ... Ein Roman, wie er sein soll: spannend, unterhaltsam, informativ. Man darf gespannt sein, wie es in Band 2 (erscheint im Sommer 2019) und 3 weitergeht. 

Wunderlich Verlag, Hardcover, 19,95 Euro, E-Book 16,99 Euro

 

Nicolas Remin: Sophies Tagebuch

Selten habe ich ein Buch mit so viel Spannung innerhalb weniger Abende und Nächte verschlungen. Es ist die Geschichte von Erika zur Linde, einer jungen Frau mit einem sehr geordneten, übersichtlichen Leben als Lehrerin, die im Herbst 1989 erfährt, dass ihr Vater sich an seinem Schreibtisch erschossen hat. Beim Aufräumen findet sie das Tagebuch ihrer ebenfalls bereits verstorbenen Mutter Sophie. Was sie darin liest, bringt ihr eigenes Leben gehörig ins Wanken. Ich will hier gar nicht viel vom Inhalt vorwegnehmen. Dieses Buch muss man einfach lesen, lesen, lesen. Es ist spannend von der ersten bis zur letzten Silbe. 

Kindler Verlag, Hardcover 20 Euro, E-Book 16,99 Euro. 

 

Melanie Levensohn: Zwischen uns ein ganzes Leben 

Noch so ein wunderbarer Roman, großartig erzählt. Drei Frauen, die schicksalhaft miteinander verbunden sind, ohne es zu ahnen. Raffiniert und ganz langsam lüftet Melanie Levensohn das Geheimnis, das die drei Frauen verbindet: die Jüdin Judith, die in den Jahren der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg eine große Liebe zu dem Sohn eines Bankers erlebt und plötzlich spurlos verschwindet; die junge Französin Beatrice, die in Washington bei der Weltbank arbeitet, und nicht so richtig weiß, wohin mit sich in der Oberflächlichkeit ihres Alltags und der Sinnentleertheit ihres Jobs; und Jacobina, die verwahrloste Alte, die ihrem sterbenden Vater ein Versprechen gegeben hat, das sie nie einlösen konnte. Bis Beatrice in ihr Leben tritt ... 

Ein Buch, bei dem der Spannungsbogen von der ersten bis zur letzten Seite erhalten bleibt. Man darf gespannt sein, wann die Story verfilmt wird. 

S. Fischer Verlag, Paperback, 16,99 Euro, E-Book 14,99

 

Helene Sommerfeld: Die Ärztin – Das Licht der Welt | Stürme des Lebens 

Jetzt wird es noch süffiger: Eine weitere Romantrilogie, dieses Mal über den Lebensweg der Gärtnerstochter und späteren Ärztin Ricarda Thomasius, die noch in der Schweiz studieren musste, um ihren Beruf überhaupt ergreifen zu können. In Deutschland war es Ende des 19. Jahrhunderts Frauen noch verwehrt, Medizin zu studieren. Spannend und informativ zugleich ist es zu lesen, wie mutige Frauen dann zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwas erkämpft haben, was für uns heute selbstverständlich ist: die gesellschaftliche Emanzipation der Frau. Manches kommt zwar ein bisschen arg schwülstig daher, aber das gehört vielleicht auch zu so einem Schmöker ... 

Band 3 – Die Wege der Liebe – ist bereits in Arbeit und erscheint im Sommer 2019. Jetzt schon vormerken! 

Rowohlt Verlag, Reinbek, jeweils 9,99 Euro (Taschenbuch oder E-Book).

 

Michelle Obama: Becoming 

Dieses Buch war von Anfang an ein Bestseller, die Startauflage betrug 3 Millionen, die Rechte wurden vom Fleck weg in 30 Länder verkauft. Auf ihrer Lesereise füllt Michelle Obama Stadien mit zigtausenden von Zuschauern und -hörern. Mit diesem Buch ist ihr ein Coup ohnegleichen gelungen, nicht nur finanziell (die Millionen aus den Tantiemen wird sie ganz sicher nicht für sich verbrauchen, sondern in Zukunftsprojekte für Kinder und Jugendliche stecken). Denn "Becoming"  ist ein Versprechen, ein Credo, eine Ermutigung an jede(n) einzelne(n). "Leben ist ein Entwicklungsprozes, mit jedem Jahr verändern wir uns und wachsen", sagt sie in einem Interview. "Und ich hoffe, dass ich damit nie aufhören werde. Ich werde immer noch die, die ich bin." Im Englischen klingt das noch schöner: "I am still becoming who I am." 

Aufgewachsen in einem Vorort von Chicago in kleinbürgerlichen Verhältnissen arbeitet sich die intelligente und gewitzte Michelle durch Schule, Highschool und College bis in die Elite-Universitäten von Princeton und Harvard empor. Sie geht als Rechtsanwältin in eine renommierte Sozietät in Chicago, wo sie ihren späteren Mann kennen- und lieben lernt. Bemerkenswert offen und schnörkellos schildert sie ihre Beziehung und die Schwierigkeiten, Kinder zu bekommen, was nur über In-Vitro-Fertilisation gelingt. Sie beschreibt die Entwicklung von Barack zum Politiker aus Leidenschaft, die Kandidatur zur Präsidentschaft (mit der sie anfangs alles andere als einverstanden war) und die acht Jahre im Weißen Haus in Washington. Sie zeigt ganz ungeschminkt ihre Schwierigkeiten, den eigenen Weg zu finden – mit dem Anwaltsdasein ist sie schon bald nicht mehr zufrieden, sie sucht nach anderen Herausforderungen, mit denen sie die Welt ein bisschen besser machen kann. Legendär der Gemüsegarten, den sie im Weißen Haus angelegt hat. Und ihre Kampagnen für bessere Ernährung, vor allem an den Schulen, und für mehr Bewegung – beides zusammen die beste Prophylaxe gegen Zivilisationskrankheiten. Und sie hält nicht hinterm Berg, dass auch sie trotz aller Privilegien ihre Probleme hat beim Spagat zwischen Familie und Beruf. 

Was dieses Buch so wertvoll und so sympathisch macht, ist die Klarheit ihrer Argumentation, ihre Ehrlichkeit und Authentizität. Es ist ein Buch, das jedem Menschen, ob groß oder klein, Mut macht, die eigenen Fähigkeiten wertzuschätzen und freizuschätzen. Es ist ein Plädoyer dafür, sich nie und nimmer kleinkriegen zu lassen, sich die Rechte zu holen, die jedem Bürger in den USA (und nicht nur dort) verbrieft sind, ganz besonders das Recht auf Bildung. Dass Kinder zur Schule gehen, dass sie lernen, ist für Michelle Obama der Schlüssel für jede erfolgreiche Zukunft.

Zwischen den Zeilen steckt in diesem Buch schon der Präsidentschaftswahlkampf von 2020. Zwar macht sie eindeutig klar, dass sie nicht daran denkt zu kandidieren (wie schade!), wohl aber mobilisiert sie mit diesem Buch alle Zweifler und alle Nörgler und Verzagten dazu, wählen zu gehen und sich nicht für dumm verkaufen zu lassen, keinen Lügen aufzusitzen und Demagogie als solche zu entlarven. Was für eine kraftvolle Botschaft! 

Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Die deutsche Übersetzung lag in den Händen von sage und schreibe sechs ÜbersetzerInnen. Das merkt man dem Buch an. Stil und Sprache sind nicht einheitlich, stellenweise strotz es von Substantivierungen. Offenbar war nicht mehr genügend Zeit für ein qualifiziertes Lektorat, wovon auch zahllose Rechtschreib- und Grammatikfehler zeugen. Schade, dass der Verlag hier nicht mehr Sorgfalt hat walten lassen. 

Goldmann Verlag, München, Hardcover, 26 Euro, 

 

Johanna Romberg: Federnlesen. Vom Glück, Vögel zu beobachten

Nie wäre ich auf die Idee gekommen, dass man über die Leidenschaft, Vögel zu beobachten, ein so spannendes und unterhaltsames Buch schreiben könnte. Aber wem, wenn nicht ihr könnte so etwas gelingen: Johanna Romberg, GEO-Redakteurin und ob ihrer Erzählkunst von mir seit vielen Jahren bewunderte Kollegin. In diesem Buch berichtet sie so anschaulich über Amsel, Drossel, Fink und Star und die ganze Vogelschar, dass ich seither jeden Piepmatz in meinem Garten mit anderen Augen sehe und höre. Wo immer es zwitschert, flötet oder pfeift, frage ich mich jetzt: Welcher Vogel mag das wohl sein? Denn außer Amseln, Singdrosseln und Meisen konnte ich bisher höchstens noch den Kuckuck identifizieren. Inzwischen sind noch einige andere Vogelarten hinzugekommen. 

Gelernt habe ich bei der Lektüre aber auch, in welch alarmierendem Ausmaß unsere Vogel- und Insektenwelt inzwischen bereits durch intensivierte Landwirtschaft dezimiert wurde und weiterhin wird. Seither engagiere ich mich noch entschlossener dagegen. 

Es ist ein Buch, das auf jeden Gabentisch gehört – vor allem den von jungen Menschen, die noch viel dafür tun können, dass uns eine vielfältige Vogelwelt erhalten bleibt. 

Bastei Lübbe Verlag, Hardcover 24 Euro, Taschenbuch 14 Euro, E-Book 17,99 Euro

 

Elsa Frindik-Pierret & Bertrand Lanneau: Drive your Adventure 

Es ist der Traum vieler Menschen aller Altersstufen: einsteigen ins Wohnmobil und losfahren, die Welt erkunden, sich überraschen lassen von dem, was kommen will. Die Kulturmanagerin Elsa Frindik-Pierret und der Hobby-Fotograf Bertrand Lanneau haben es getan. Sechs Monate lang kurvten sie in ihrem Van durch 24 Länder Europas, insgesamt 35.000 km haben sie dabei zurückgelegt. Und damit es andere nachmachen können und nicht die gleichen Fehler machen müssen wie sie, haben sie jetzt ein Buch darüber verfasst. Es ist wunderbar anzuschauen und ebenso amüsant wie informativ zu lesen. Und natürlich enthält es viele, viele Tipps für die schönsten Plätze zum Übernachten und Anhalten, zum Schauen und Staunen. 

Knesebeck Verlag, Klappenbroschur (320 Seiten, 400 Abbildungen), 29,95 Euro. 
Weitere Informationen auch über das Blog der Autoren

 

Manfred Spitzer: Die Smartphone-Epidemie. Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft 

Zum Abschluss noch etwas Nachdenkliches. Der Hirnforscher Manfred Spitzer ist seit Jahren bekannt (manche sagen: berüchtigt) dafür, dass er vor den Gefahren der Digitalisierung warnt (siehe auch sein 212 erschienenes Buch "Digitale Demenz"). Sein neues und viertes Buch über die Auswirkungen der elektronischen Medien auf den Menschen, insbesondere auf Kinder und Jugendliche, dreht sich vor allem um die Risiken, die sich mit den Smartphones verbinden. Spitzer betont immer wieder, dass es ihm nicht darum geht, Angst zu machen und Panik zu verbreiten, sondern er möchte, dass die Ergebnisse renommierter Wissenschaftler wahrgenommen und verstanden werden. Denn eines ist unstrittig: Die Medien informieren eben NICHT vollständig über Pro und Contra, über Risiken und Gefahren. 

Gerade das Smartphone hat unser Leben in den vergangenen zehn Jahren massiv verändert. Kaum noch jemand, der ohne auskommt. Gerade deshalb ist dieses Buch heute notwendiger denn je, wo es um Milliardeninvestitionen in die Digitalisierung der Bildungsbereiche geht. Die Forscher haben längst nachgewiesen, dass das "elektronische Klassenzimmer" das Lernen von SchülerInnen eher stört als fördert. Trotzdem trommeln viele PolitikerInnen und Kultusminister dafür, dass Smartphone und Tablet endlich Einzug halten müssten im alltäglichen Schulunterricht. Vielleicht wäre es sinnvoller, erstmal dieses Buch von Manfred Spitzer im Unterricht durchzunehmen. Dann könnten LehrerInnen ebenso wie SchülerInnen besser beurteilen, was sie sich wann und wie digital ins Klassenzimmer holen wollen. 

Klett-Cotta Verlag, Hardcover, 20 Euro 

 

Helga Hammer: Durch alle Zeiten 

Helga Hammer erzählt die Lebensgeschichte von Elisabeth, einer einfachen Frau aus den österreichischen Alpen. Es ist eine Geschichte, wie sie typisch ist für die Nachkriegsgeneration, die noch im Muff der Konventionen der 1950er und 60er-Jahre aufwächst. Erst spät findet sie zu Niklas, ihrer großen Jugendliebe, zurück. Bis dahin hat so ziemlich alle Höhen und Tiefen ausgelotet, die das Leben so mit sich bringen kann. Helga Hammer ist ein großartiger Roman gelungen, der nie ins Triviale abgleitet, sondern von Anfang bis Ende eine große Spannung bewahrt. Das gelingt auch deshalb, weil sie zwei Erzählebenen – Vergangenheit und Gegenwart - miteinander verschmelzen lässt und eine authentische Sprache wählt. Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen möchte und gerne noch ein zweites Mal liest, weil man all die Fülle beim ersten Mal vor lauter Spannung gar nicht vollumfänglich erfassen kann.  

Ullstein Buchverlage, Hardcover 20 Euro, Taschenbuch 10 Euro

 

 

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